Sticky matters!
Ich traf noch eine andere Künstlerin Maja Q., die zufällig bei London Clay gelandet ist. Eigentlich wollte sie herausfinden, wie die Fossilien des 21. Jahrhunderts eines Tages aussehen werden. Im Betrachten der Zukunft wollte sie zuerst verstehen, was in unserer Erde verschwindet und zurückbleibt.
Sie erzählte mir, dass London Clay auch in der Bauindustrie eine enorme Bedeutung hat. Wenn Baustellen geplant werden, muss man vorab Bohrkerne als Tests von bis zu 50 Metern Tiefe entnehmen. Hier ist die sedimentierte Grenze: Unterhalb von London Clay kann sich erdgeschichtlich nichts mehr befinden, was menschliche Spuren enthält. Das ist vor allem wichtig zur Überprüfung von archäologischen Funden, die einen Bau an dieser Stelle verzögern bis unmöglich machen können. Maja erzählte, dass man selbst den großen Londoner Brand des 17. Jahrhunderts anhand von Mikropartikeln im Ton unter dem Mikroskop erkennen kann. Schicht für Schicht ist alles archiviert!
London Clay erschien immer mehr als ein geologisches Gedächtnis der Stadt. Als ich Maja fragte, wie sie das Material beschreiben würde, sagte sie ohne lange nachzudenken “sticky”.
Auf einem meiner letzten Spaziergänge fuhr ich in den Westen der Stadt. Hier windet sich die Themse entlang von viktorianischen Reihenhäusern. Das Wasser (bedingt durch Flut und Ebbe) steigt hier jeden Tag über das Ufer und vereinnahmt ein großes Stück der geschäftigen Straße. Man sieht Menschen, die vom Bürgersteig auf die andere Straßenseite wechseln, um der riesigen Pfütze aus braunem Wasser auszuweichen; Autos, die von 50 auf 10 km/h bremsen, um unbeschadet durch das Wasser zu kommen.
Der Fluss beansprucht diesen Raum für sich und schreibt sich auf seine eigene Weise in den Alltag ein. Pflanzen und Weg sind hier bräunlich gezeichnet; Wasser und der Schlamm, den es mit sich führt, sind längst Teil des Stadtbildes geworden. Die Themse nimmt sich täglich ihren Raum – ob die Stadt es will oder nicht – und hinterlässt Spuren, die bleiben.